Kohlenhydrate – Brennstoffe oder Dickmacher?

Es gibt drei Grundnährstoffe:

  • Fette,
  • Eiweiße und
  • Kohlenhydrate.

Es gibt essenzielle (d.h. kann der Körper nicht selbst herstellen und muss damit über die Nahrung zugeführt werden) Fettsäuren und Aminosäuren (Bausteine von Eiweißen und Enzymen), es gibt aber keine essenziellen Kohlenhydrate, die wir mit der Nahrung aufnehmen müssten.

Der Körper ist in der Lage, sie selbst herzustellen (Gluconeogenese – aus Eiweißen und Fett). Das Gehirn und die roten Blutkörperchen brauchen für ihre Energiegewinnung Glukose (Traubenzucker), wobei das Gehirn auch auf Milchsäure oder Ketonkörper (Abbauprodukte von Fett-und einigen Aminosäuren) zurückgreifen kann, die ihm die Astrozyten (Spezielle Nähr- und Stützzellen im Gehirn, die wiederum Fettsäuren zur Energiegewinnung nutzen können.) liefern.

Ihren Namen haben die Kohlenhydrate aus ihrer Zusammensetzung von Kohlenstoff C, Wasserstoff H und Sauerstoff O, die einer allgemeinen Summenformel folgen: Cn(H2O)n. Zum Beispiel gehört Glukose zu den Hexosen. Sie hat also 6 Kohlenstoff-, 12 Wasserstoff- und 6 Sauerstoffatome. Die Bezeichnung stammt aus einer Zeit, als man noch keine klare Vorstellung von der Struktur der einzelnen Zuckermoleküle hatte, sondern nur, über Elementaranalysen, die Zusammensetzung mit den einzelnen Elementen des Periodensystem der Elemente bestimmen konnte.

Kohlenhydrate bestehen aus:

  • Einfach- (z.B. Trauben- oder Fruchtzucker),
  • Zweifach-(z.B. Rohr- oder Milchzucker) oder
  • Mehrfachzuckern (z.B. Stärke oder Cellulose).

Die Begriffe „Traubenzucker“, „Fruchtzucker“ oder „Rohrzucker“ sind irreführend. Zum Beispiel wurde Saccharose, also „Rohrzucker“,  das erste Mal aus Zuckerrohr isoliert, deswegen nennt man sie „Rohrzucker“, auch wenn sie bei uns zum großen Teil aus Zuckerrüben gewonnen wird. Fructose, also „Fruchtzucker“ heißt immer „Fruchtzucker“, und ist nicht zu verwechseln mit natürlicher Süße in Früchten, die sich aus Glukose und Fruktose zusammensetzt. (Daneben enthält aber Obst auch Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die dem Körper helfen, mit der aufgenommenen Zuckermenge klar zu kommen.)

Bei der Verdauung werden im Darm die komplexeren, abbaubaren Kohlenhydrate in Einfachzucker gespalten, die dann ins Blut aufgenommen werden.

Vollkornprodukte geben dabei nur allmählich ihren Anteil an Kohlenhydraten ab. Der Blutzuckerspiegel steigt nur langsam an und bleibt länger konstant. Außerdem können die Ballaststoffe im Getreide Schwermetalle binden und damit dafür sorgen, dass diese ausgeschieden werden. In Obst und Gemüse finden sich neben Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen auch Kohlenhydrate, und zwar in einer Menge und Konzentration, die für unseren Organismus kein Problem darstellen.

Werden aber zu viele Kohlenhydrate in Form von industriell hergestellter, stark denaturierter Lebensmittel, wie z.B. Weißmehlprodukte oder Süßigkeiten, verzehrt, in denen raffinierte Kohlenhydrate in leicht aufnehmbarer Form vorliegen, wird dem Körper sehr schnell sehr viel Energie bereitgestellt, die eigentlich über körperliche Aktivität sofort verbraucht werden müsste.
Da ein hoher Blutzuckerspiegel eine Gefahr für den Organismus darstellt, wandelt der Organismus den Zucker, der von den Zellen nicht aufgenommen wird, in Fett um. Nach dem zuviel an Zucker im Blut komme ich dann in einen Unterzucker – ich kann mich dann nicht mehr richtig konzentrieren… Zu viele Kohlenhydrate machen also übergewichtig und behindern das Denken.

Da ich mich jetzt im Unterzucker befinde, bekomme ich Heißhunger – ich fühle mich, als ob ich am verhungern bin, obwohl ich einen Vorrat an Kalorien mit mir rumtrage, der vielleicht für ein ganzes Jahr reichen würde. Das führt dazu, dass ich mich „überesse“. Damit kommen dann noch mehr Kalorien in die Fettdepots.

Selbst die Fettzellen selber, mein Hormonsystem (Fettzellen bilden selbst Östrogen) und die veränderte Hirnchemie sorgen dafür, dass ich träge und hungrig werde.

Isolierte Kohlenhydrate sind also die Dickmacher Nummer eins – allen voran die Softdrinks (also Cola und andere Limonaden), da ich hier eine noch geringere Kontrolle über meine Kalorienzufuhr habe. (Um gleich einen gängigen Irrtum auszuräumen – Süßstoff macht nicht schlank, sonst würde das Zeug nicht in der Tiermast eingesetzt – sondern es erzeugt einen Unterzucker im Körper und der führt dann zu einer Heißhungerattacke.) Mit gesüßten Getränken  sollte ich sowieso nicht meinen Durst löschen, sondern nur mit Wasser oder ungesüßtem Tee.

(c) Thomas Würzler

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